Kapelle-Käs

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Die Geschichte vom Kapelle-Käs

Der Kapellekäs (Betonung auf der ersten Silbe) wurde auf dem früheren Altsimonswälder Martinskapellenhof zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals hergestellt. Dieser Hof liegt nur einige Meter von der bekannten Martinskapelle entfernt und gehört seit 1977 zu Furtwangen. Die etwa aus dem 15. Jahrhundert stammende Kapelle selbst gehört seit alters her zum Furtwanger Kolmenhof im Ortsteil Katzensteig.

Der 1931 abgebrannte Martinskapellenhof (1952 als Gasthaus wiedereröffnet) lag 1111 Meter über dem Meer, auf der Wasserscheide zwischen dem Gebiet der Elz und der Breg, also zwischen Rhein und Donau. Seine auf einer weiten Hochebene gelegenen Wiesen und Weiden lieferten im 19. Jahrhundert ausreichend Futter für 60 bis 70 Stück Großvieh. Der Martinskapellenhof war damals wohl der größte Bauernhof in der Umgebung. Unter diesen 70 Stück Vieh waren bis zum Jahr 1860 36 bis 40 Stück Milchkühe.

Das Hofgebäude wurde 1722 im alten Schwarzwaldbauernhausstil erbaut. Der Hof besaß neben einem recht geräumigen Gastwirtschaftslokal eine große Leibgedingswohnung (Altenteil) mit all den dazu gehörigen Zimmern und Kammern. Drei große Stallungen gaben noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts beredtes Zeugnis, daß hier einmal ein außerordentlich großer Landwirtschaftsbetrieb gewesen ist. Über den Stallungen befand sich ein mächtiger Scheunenraum, der genügend ausreichte, um die gewaltigen Futtervorräte für 70 Stück Großvieh für die langen Wintermonate zu beherbergen.

Die Käseherstellung wurde im Jahre 1803 durch Anna Maria Duffner, die aus dem benachbarten Schönwald stammte, auf den Martinskapellenhof gebracht. Eine Käserei entstand, die großen Ertrag abwarf. Zu Zeiten der Hofbesitzer, der Brüder Mathias Kaltenbach und Martin Kaltenbach, deren Frauen gleichfalls Schwestern waren, stand die Käserei in den Jahren 1840 bis 1850 in höchster Blüte. Nicht nur die Milch der 40 eigenen Kühe wurde hier verarbeitet; fast alle umliegenden Bauernhöfe lieferten Milch in den Betrieb der Brüder Kaltenbach. So hatte der Kapellenhof für den Furtwanger Ortsteil Katzensteig und die benachbarten Orte eine große Bedeutung in finanzieller Hinsicht gewonnen.

Der Kapelle-Käs wurde in Backsteinform ausgearbeitet und hatte einen großen Absatz im Elsaß und in der Schweiz; aber auch auf dem Schwarzwald selbst war er sehr begehrt.


Im Jahre 1848 kam auf die Martinskapelle einmal ein fremder Herr, der sich für die fortschrittliche Bewirtschaftung des Hofes, besonders die Käserei, interessierte. Es wird angenommen, daß es sich um einen landwirtschaftlichen Wanderlehrer gehandelt hat. Er blieb mehrere Wochen auf dem Hof, gab den Besitzern Hinweise, wie man den Käse viel besser in sogenannte Radform pressen soll (Emmentaler Form). Für den Absatz in Straßburg wollte er sorgen. Der Rat wurde befolgt. Als nun die Radkäse zum Versand nach Straßburg reif waren und auf der Achse dorthin gebracht wurden, stellte sich heraus, daß sie innen faul und ungenießbar waren. Dies lag sicherlich daran, daß auf dem Martinskapellenhof die nötigen Keller fehlten, um diese großen Käselaibe bis zum Garwerden, was mindestens vier Monate dauert, aufstapeln zu können.

Hunderte von Zentnern Käse mußten in Straßburg vernichtet werden, was die Kaltenbach viel Geld kostete. Viel Geld beanspruchte der Transport und natürlich die Herstellung. Der gute Kundenkreis ging zu allem Überfluß auch noch verloren. Die Käserei mußte nun aufgegeben werden, sie wurde dem Bauern des Vogttonishof auf dem in der Nähe liegenden Farnberg verkauft. Dieses rettete den Hof aber nicht. Die Kaltenbachs resignierten nach einigen Jahren und verkauften den Hof 1860 an den badischen Staat. Die Brüder, die durch ihre Musik die Gäste mancher Feier erfreuten, suchten nun in der Neuen Welt ihr Glücks – und fanden es nicht.

Durch die Heirat der Tochter des Besitzers des Vogtttonishofes gelangte die Kapellenkäseherstellung wieder in den Katzensteig, auf den Jonisenhof. Marianne Dold brachte die Käseherstellung wieder zur vollen Blüte. Ihr Sohn Albert übernahm 1895 Hof und Käserei und stellte bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges den Kapelle-Käs her.

Die Käseherstellung wanderte nun zum Doldenhof (ebenfalls Katzensteig), wo der Kapelle-Käs bis zum 2. Weltkrieg produziert und verkauft wurde. Nach 1945 wurde dieser Käse noch auf dem Furtwänglehof angeboten, aber auch dort wurde die Herstellung schließlich aufgegeben. Die Kälberzucht, zu der man die Milch brauchte, erschien den Bauern gewinnbringender.

Die Kenntnisse über das Herstellungsverfahren gerieten jedoch nicht in Vergessenheit. Zur Zeit gibt es Überlegungen, den Käse wieder herzustellen.

Quelle

  • Manuskript Stadtarchiv Furtwangen 2010.
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