Anton Weißer
Der Furtwanger Mundartdichter Anton Weißer stammte nicht aus Furtwangen, sondern aus Unterkirnach. Dort wurde er am 06.01.1867 geboren. Seine Mutter Johanna Weißer stammte aus der Familie der Unterkirnacher Musikwerkfamilie Blessing ab. Im Jahre 1880 brannte das Haus der Familie ab, die Mutter starb kurz darauf. Der frühverwaiste Sohn gelangte nach Gütenbach in die Lehre als Uhrmacher. 1895 arbeitete er für die Uhrenfabrik Gordian Hettich Sohn am Ilben. Ihn zog es nach Furtwangen, wo er 1905 die einheimische Maria Böhler heiratete. Der fast unaufhaltsame Niedergang dieser traditionsreichen Uhrenfirma ließ an einen Wechsel des Arbeitsplatzes, den er dann bei der Fa. Jos. Koepfer fand, denken. Diese junge aufstrebende Firma gehörte nicht zu den traditionellen Uhrenfirmen, sondern engagierte sich im neu aufkommenden Maschinenbau. Weißer blieb dort aber nicht sehr lange. Er starb am 05.08.1917 in Furtwangen.
Durch die Herausgabe der „Furtwanger Narrenrollen“ zur Jahrhundertwende gab er der Furtwanger Fastnacht eine erste Organisationsform, die erheblich zur Bildung der Furtwanger organisierten Fastnacht beitrug. In den Narrenrollen glossierte er „mit viel Witz und Bauernschläue die Geschehnisse des Narrenjahres in Gedichten und Berichten, Anzeigen und Bildern“, so Klaus Schnibbe.
Seine Gedichte gab er in den Jahren 1902-1910 im Selbstverlag in vier kleinen Bändchen heraus. Nach Alfons Diemer kannte der dichtende Uhrmacher die „Grenzen seiner Fähigkeiten und war sich darüber im klaren , daß seine Reimereien nicht Dichtungen im Maßstab der Literatur sein können“. Wir erhalten hierdurch aber einen guten Einblick in die Denkweise und auch das Leben der Menschen in Furtwangen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Mit der Niederschrift der Sagen in unserer Region ist sein Werk ein wichtiges Hilfsmittel im schulischen Unterricht. „Der Landenberger“, aber auch „der Bodenwälder“ werden auch heute noch gern im Unterricht verwandt. Auch das örtliche Brauchtum, wie die Heugaus, wird durch seine Gedichte bewahrt und weitergetragen.
Großen kommunalen Ereignissen, wie dem Bau des Krankenhauses 1903 oder auch im folgenden 1904 der Eröffnung der Wasserleitung, schließlich auch dem Furtwanger Bierstreik 1910, gab er mit einem Gedicht einen besonderen Rahmen.
Der Furtwanger Geschichts- und Heimatverein hat viele dieser einzigartigen Gedichte im Jahre 1980 neu aufgelegt; somit natürlich auch vor dem Vergessen bewahrt.
Diese Gedichte sind etwa je zur Hälfte in Hochdeutsch bzw. in Furtwanger Mundart erschienen. Gerade mit seinen mundartlichen Werken hat er sich um die heimatliche Sprache verdient gemacht.
Literatur
- Schnibbe, Klaus, Einleitung zu: Weißer, Anton, Schwarzwälder Kuhglocken. Gedichte. Neuaufgelegt vom Geschichts- und Heimatverein Furtwangen e. V. 1980. Furtwangen 1980, S. 1f.
- Furtwanger Fastnachtsbuch S. 94-97.
Quelle
- Manuskript Stadtarchiv Furtwangen 2010.